Bilanz des NRW-Ausbildungsmarktes 2016/17

Pressemitteilung von Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen - Pressestelle
Nr. 37 / 2017 – 02. November 2017


"Bilanz am Ausbildungsmarktes 2016/17
NRW-Ausbildungsmarkt wird zum Risiko

Der Ausbildungsmarkt in NRW 2016/2017 zeigte gegenüber dem Vorjahr kaum Veränderungen. Trotz regionaler Unterschiede bestand landesweit die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage weiter. Es gab mehr unversorgte Jugendliche und mehr unbesetzte Ausbildungsstellen. Die Qualifikation der Ausbildungssuchenden war hoch: 40,2 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber hatten Abitur oder Hochschulreife. Auch geflüchtete Menschen kamen am Ausbildungsmarkt an: 2.072 starteten in ihre Ausbildung.

„Am Ausbildungsmarkt gab es im abgelaufenen Vermittlungsjahr nur wenig Bewegung“, sagte Christiane Schönefeld, Leiterin der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen, zur Bilanz am NRW-Ausbildungsmarkt für das Berichtsjahr 2016/2017. „Landesweit ist es nicht gelungen, das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen. Zudem stiegen die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze und die der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten. Der Ausbildungsmarkt bleibt hinter der wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Dabei wird in NRW in den kommenden Jahren die Nachfrage nach gut ausgebildeten Nachwuchs weiter steigen. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in NRW wird so zum Risiko.“

Eine Herausforderung für viele Unternehmen sei es, sagte Schönefeld, in den kommenden Jahren die absehbaren Abgänge qualifizierter Mitarbeiter aufgrund ihres Renteneintritts zu ersetzen. „Bis 2022 werden in NRW rund 500.000 Beschäftigte das Rentenalter erreicht haben. Über die Hälfte davon sind Menschen mit einer dualen Berufsausbildung. Wenn man in Betracht zieht, dass es bis zu fünf Jahre dauert, bis junge Menschen das Erfahrungsniveau vollwertiger Fachkräften erreicht haben, wird es sehr deutlich, wie wichtig es ist, in den Nachwuchs zu investieren. Um es klar zu sagen, es ist wichtig, heute zu beginnen, morgen ist es zu spät.“

Schönefeld sagte weiter, sie erhoffe sich für das kommende Jahr am Ausbildungsmarkt Belebung: „Viele Unternehmen erleben bereits heute, was es bedeutet, die passenden Mitarbeiter zu finden. Zugleich ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge seit 2010 kontinuierlich gesunken. Mit Blick auf die Zukunft wäre es an der Zeit, in NRW noch mehr in die Ausbildung zu investieren. Allerdings sinkt die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe. Diese Trends gilt es umzukehren.“

Unterstützung können ausbildungsbereite Unternehmen von den Agenturen für Arbeit erhalten: „Wir unterstützen mit Ausbildungsbegleitenden Hilfen und Assistierter Ausbildung jedes Unternehmen, dass Jugendliche in Ausbildung nimmt, die auf den ersten Blick vielleicht nicht hundertprozentig passen. Wir würden uns freuen, wenn Ausbilder in Zukunft weniger auf die formale Qualifikation als vielmehr darauf achten, ob diese jungen Menschen grundsätzlich für ein Berufsbild geeignet sind.“

Neben den 7.324 unversorgten Jugendlichen haben sich 15.293 Jugendliche für eine Alternative entschieden. Sie würden einer Ausbildungsstelle jedoch den Vorzug geben, wenn es ein Angebot für sie gibt: „Wir haben in NRW ein großes Bewerberpotential, das nicht ausgeschöpft wird.“ so Schönefeld.

Erfreulich sei die Entwicklung am Ausbildungsmarkt für geflüchtete Menschen: „Zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Zuwanderung von Menschen aus Krisengebieten konnten sich in NRW über 2.000 junge geflüchtete Menschen erfolgreich auf eine betriebliche Ausbildungsstelle bewerben. Das zeigt, wie motiviert und engagiert diese Menschen sind und es in kürzester Zeit in großer Zahl geschafft haben, sich die Voraussetzung für eine anspruchsvolle Ausbildung anzueignen.“

Bewerberinnen und Bewerber
Von Oktober 2016 bis September 2017 meldeten sich 136.973 junge Frauen und Männer bei Arbeitsagenturen und Jobcentern als Bewerberin bzw. Bewerber um einen Ausbildungsplatz, 556 oder 0,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. 59.516 haben im Verlauf des Berichtszeitraums einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, 205 oder 0,3 Prozent mehr als 2015/2016. 15.293 Jugendliche hatten bis zum Ende des Berichtsjahres eine Alternative (weiterer Schulbesuch/Studium, Freiwilligendienst, Auslandsaufenthalt, Erwerbstätigkeit), das waren 999 Personen bzw. 6,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Ungeachtet der Möglichkeiten, die sie haben, suchen diese Bewerberinnen und Bewerber grundsätzlich weiter nach einer Ausbildungsstelle, der sie den Vorzug geben würden.

Statistisch gelten damit 129.649 oder 95,0 Prozent der Bewerber insgesamt als versorgt, weil sie einen Ausbildungsplatz gefunden, sich für eine Alternative wie weiteren Schulbesuch oder eine Erwerbstätigkeit entschieden oder sich als Bewerber ohne nähere Begründung abgemeldet haben. 7.324 Bewerberinnen und Bewerber hatten zum Ende des Berichtsjahres weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative, das sind 538 oder 7,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Qualifikation der Ausbildungssuchenden weiter hoch: 40,2 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber haben Abitur oder Hochschulreife
Bewerberinnen und Bewerber verfügen zunehmend über höherwertige Schulabschlüsse. Von den insgesamt 136.973 gemeldeten Jugendlichen, die sich für eine duale Ausbildung interessierten, verfügten 55.141 über die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Das ist ein Anteil an allen Bewerberinnen und Bewerbern von 40,2 Prozent und liegt damit auf Vorjahresniveau.

Dagegen sinkt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit mittleren Bildungsabschlüssen. Hatten sich im vergangenen Jahr noch 74.608 Jugendliche mit Hauptschul- oder Realschulabschluss bei der Berufsberatung angemeldet, bewarben sich in diesem Jahr nur noch 73.193 Schülerinnen und Schüler mit mittleren Abschlüssen – ein Rückgang um 1.415 Schülerinnen und Schüler von Haupt- oder Realschulen oder 3,2 Prozent. Ihr Anteil an allen Bewerbern liegt in diesem Jahr bei 53,4 Prozent.

Die Zahl der jungen Frauen und Männern, die zum Stichtag weder über einen Ausbildungsplatz noch über eine Alternative verfügten, also als „unversorgt“ galten, hatten 2.915 (39,8 Prozent) die Fachhochschulreife oder das Abitur und sank leicht im Vergleich zum Vorjahr (40,5 Prozent). Gut qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber sind auch vom regionalen und berufswahlspezifischen Missmatch betroffen, das am heterogenen Ausbildungsmarkt in NRW häufiger auftritt. Dazu gehört, dass Berufswünsche und Ausbildungsstellenangebot nicht zusammenpassen. Diese Bewerberinnen und Bewerber haben aufgrund ihrer höheren Bildungsabschlüsse jedoch in der Regel mehrere Wahlmöglichkeiten und verzichten deshalb auf einen angebotenen Ausbildungsplatz. Sie sind eher bereit, auf den Wunsch-Ausbildungsplatz zu warten oder beginnen stattdessen ein Studium.

TOP 10 der Ausbildungsplatzwünsche
Die meisten Bewerber und Bewerberinnen, die zum Berichtsjahresende noch einen
Ausbildungsplatz suchten, gaben folgende Wunschberufe an:
• Kaufmann/frau im Büromanagement: 694
• Kaufmann/frau im Einzelhandel: 540
• Verkäufer/in: 450
• Medizinische/r Fachangestellte/r: 342
• Industriekaufmann/frau: 273
• Kfz.-Mechatroniker – PKW-Technik 252
• Fachinformatiker/in Systemintegration 164
• Friseur/in 158
• Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung 141
• Fachkraft - Lagerlogistik 138

2.072 geflüchtete Menschen sind in Ausbildung gestartet
6.377 junge geflüchtete Menschen haben sich im Berichtsjahr 2016 / 2017 auf einen Ausbildungsplatz beworben und werden von den Agenturen für Arbeit für ausbildungsreif eingeschätzt. Das bedeutet vor allem, sie verfügen über die für eine Ausbildung in Deutschland notwendigen Qualifikationen und verfügen schon nach kurzer Zeit über ausreichende Deutschkenntnisse. 2.072 Personen oder 36,4 Prozent aller Bewerber und Bewerberinnen mit Fluchthintergrund hatten Erfolg und bereits nach kurzer Suche einen Ausbildungsplatz gefunden.

Bewerber und Bewerberinnen aus dem Zusammenhang der Fluchtmigration verfügen in der Mehrzahl über einen mittleren Bildungsabschluss. 2.873 haben einen Hauptschul- oder Realschulabschluss – das entspricht einem Anteil von 45,1 Prozent. Sie sind überwiegend männlich – 5.397 Männer oder 85 Prozent bewarben sich – und sie sind im Schnitt etwas älter als deutsche Bewerber: 4.520 der jungen geflüchteten Bewerberinnen und Bewerber oder 71 Prozent sind über 20 Jahre alt.

Ausbildungsplatzangebote
Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen und Träger meldeten mit 110.891
Ausbildungsplatzangeboten im abgelaufenen Berichtsjahr 65 oder 0,1 Prozent mehr Stellen als vor einem Jahr.

7.461 Lehrstellen waren zum Stichtag noch unbesetzt, 497 oder 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Die rechnerische Bewerber/innen-Stellenrelation entspricht dem Vorjahr, blieb damit weiterhin unausgeglichen: Auf eine/n Bewerber/in kamen 0,81 Ausbildungsplatzangebote. Pro unversorgten Bewerber (insgesamt 7.324) gab es zu Berichtsjahresende 1,02 unbesetzte Ausbildungsstellen (insgesamt 7.461), gegenüber 1,03 im Vorjahr.

Die TOP 10 der unbesetzten Ausbildungsstellen:
• Verkäufer/in: 445
• Kaufleute im Einzelhandel: 388
• Zahnmedizinische Fachangestellte: 333
• Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk Bäckerei: 301
• Friseur/in: 279
• Koch/Köchin: 261
• Kaufleute für Büromanagement: 237
• Restaurantfachleute: 180
• Handelsfachwirte: 167
• Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk Fleischerei 163

Nur Münsterland und Südwestfalen präsentieren sich annähernd ausgeglichen
Im Münsterland meldeten sich 11.780 Bewerber und Bewerberinnen bei der Agentur für Arbeit, 251 oder 2,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. 404 blieben bis zum Stichtag unversorgt. Dagegen ist ein erneuter Anstieg bei den Angeboten zu verzeichnen: 12.073 Angebote bedeuten 203 oder 1,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. 672 Stellen waren zum Stichtag noch nicht besetzt. Aufgrund der geringen Differenz zwischen Angebot und Nachfrage präsentiert sich das Münsterland als rechnerisch annähernd ausgeglichener Ausbildungsmarkt.

Ein positives Verhältnis von Stellen zu Bewerber/innen gab es auch in Südwestfalen. 11.496 Ausbildungsplätze wurden hier angeboten, 226 oder 2,0 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Gleichzeit bewarben sich mit 10.418 Jugendlichen 111 junge Menschen oder 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. 421 Bewerber und Bewerberinnen (139 weniger als vor einem Jahr) fanden keinen passenden Ausbildungsplatz. 775 Ausbildungsplätz blieben unbesetzt – 60 weniger als vor einem Jahr.

Im Ruhrgebiet, dem größten Ballungsgebiet Europas, verlief der Ausbildungsmarkt 2016/2017 in ganz anderen Bahnen. Hier kamen zum Stichtag auf 38.453 Bewerber und Bewerberinnen nur 25.885 Stellenangebote. Die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen stieg um 266 oder 0,7 Prozent, dagegen nahm die Zahl der gemeldete Berufsausbildungsstellen ab – um 58 oder 0,2 Prozent zum Vorjahr. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote stieg im Vergleich zum Vorjahr um 363 auf 1.508. Ohne Ausbildungsplatz waren zum Stichtag 1.844 Jugendliche. Rund 0,67 Stellenangebote kamen auf einen Bewerber und Bewerberinnen (im Vorjahr: 1 zu 0,68).

Im Rheinland stieg die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen um 157 oder 0,3 Prozent im Vergleich zum Berichtsjahr 2016 auf nun 45.308. Die Zahl der unversorgten Bewerber und Bewerberinnen stieg um 35 auf 2.628. Auf der Angebotsseite verzeichnete das Rheinland einen Stellenzuwachs um 196 Angebote oder 3,3 Prozent auf 37.840 Ausbildungsplätze. Unbesetzt waren zum Stichtag 2.957 Angebote – 284 mehr als vor einem Jahr. Die Bewerber/innen-Stellen-Relation verbesserte sich leicht - auf 0,84 Stellen pro Bewerber/in (Vorjahr 0,83).

In Ostwestfalen-Lippe waren mit 17.935 Bewerbern und Bewerberinnen 375 Jugendliche oder 2,1 Prozent mehr gemeldet als im Vorjahr. 1.089 junge Leute fanden keinen Ausbildungsplatz, 92 mehr als im Vorjahr. Angeboten wurden 14.397 Lehrstellen, 196 oder 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 762 Ausbildungsplätze konnten bis zum Stichtag nicht besetzt werden. Auf eine/n Bewerber/in kamen 0,8 Ausbildungsplätze.

Betriebe und Unternehmen im Bergischen Land meldeten 3,2 Prozent oder 306 Stellen weniger als im Jahr zuvor. Insgesamt waren es 9.200 Angebote, für die Arbeitgeber Azubis suchten. Dem stand die Nachfrage von 13.079 Bewerbern und Bewerberinnen gegenüber – 102 oder 0,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich im Berichtsjahr von 0,72 im Vorjahr auf 0,7 Stellen pro Bewerberinnen und Bewerbern geringfügig verschlechtert. 938 Bewerberinnen und Bewerber blieben zum Stichtag ohne Ausbildungsplatz – 33 mehr als vor einem Jahr. Ebenso stieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze auf 787. Vor einem Jahr waren es noch 810.

(...) "

 

Quelle: Pressemitteilung Nr. 37/2017 von Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen - Pressestelle vom 02. November 2017

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